"DIE JUNGFRAU VON ORLEANS" - die romantische Tragödie von F. Schiller

Johanna d'Arc - die Titelheldin, eine wichtige Figur aus der französischen Geschichte, steht im Mittelpunkt. Aber es ging Schiller nicht darum, die französisch - englische Geschichte darzustellen, sondern die Gestalt Johannas sollte ihm als Beispiel dienen.

1801 - dieses Datum steht bei dem Titel; eine Erinnerung an die damalige Lage Deutschlands. Schiller hatte nie Mangel an Ideen, er wusste immer, was er jetzt wählen u. bearbeiten wollte.

Johanna d'Arc (1. Hälfte des 15. Jhs.) tauchte als Retterin des Vaterlandes. Bis heute gilt sie als nationale französische Heldin, sie wurde heilig gesprochen. Seit fast 100 Jahren gab es Krieg mit England (der 100-jährige Krieg). Nicht alle Menschen, die damals lebten, wussten, warum dieser Krieg ausgebrochen war. Früher spielten mächtige u. reiche Familien eine große Rolle ab. Das Land gehörte nur zum Teil dem Herrscher, das meiste Land war Privateigentum der großen Herren. Sie wollten noch mehr Land an sich reißen - deshalb gab es viele Kämpfe u. Kriege. Diese Herren waren oft miteinander verbunden (durch Heirat, Verträge) (wie in "Don Karlos" - es war politisch richtig, den Sohn mit einer französischen Prinzessin zu heiraten). Es war nicht immer klar, wem das Erbe gehören soll. Einzelne große Herren in Frankreich u. in England hatten Konflikte - daraus brach der 100-jährige Krieg aus. Die Engländer waren mächtiger, sie besetzen große Teile Frankreichs. Frankreich ist unmutig, noch in Depression. Der König auch ein schwacher Mensch. In dieser Situation taucht Johanna d'Arc auf. Sie behauptet, sie hätte Stimmen vom Himmel gehört, sie solle das Haus verlassen u. sich auf den Weg zu machen, das Vaterland zu retten. Niemand will ihr glauben, aber sie ist fast davon überzeugt. Sie geht an den König. Schon unterwegs hat sie die Franzosen zum Kampf angemutet. Sie hat tatsächlich zur Befreiung Orleans beigetragen - kämpfte selbst mit dem Schwert. Ihr gelang es, die Franzosen zu vereinen. Trotz ihrer Erfolge u. trotz der Erfolge der Franzosen unter ihrer Führung, wollte man ihr nicht glauben. Es kam soweit, dass diese nationale Heldin festgenommen wurde u. dann vor hohes Gericht gebracht u. als Hexe angesprochen. Als Hexe wurde sie zum Tode verurteilt u. im Jahre 1431 in der Stadt Reims. auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Geschichte war aber für Schiller nie der eigentliche Gegenstand. Die Gestalt Johannas sollte seine These am besten illustrieren. Schiller folgt der Geschichte nur bis zu einem bestimmten Punkt, dann geht sein Drama seinen eigenen Weg. Betont wird: Johanna d'Arc kommt aus einem Dorf Sie glaubt an ihre Aufgabe, sie sollte das ganze Land aufmuntern, der Himmel wollte es. Sie muss sich ihrer Sache ganz widmen, die private Sphäre aufgeben. Sie schwört, dass solange nur 1 Engländer auf dem französischen Boden wäre, solange würde sie um Befreiung Frankreichs mit dem Schwert kämpfen. Sie hat große Erfolge. Aber eines Tages steht ihr gegenüber ein Freund - ein englischer Ritter u. Johanna hat das Gefühl, sie sei nicht imstande, ihn zu töten. Anwandlung von Schwäche, von menschlichen Gefühlen. Sie steht ziemlich ratlos. Sie beginnt an sich selbst zu zweifeln.

Bei Schiller solange hat der Held das innere Gefühl, handelt er nach dem gewählten Weg u. glaubt, er hat den richtigen Weg gewählt. Danach verliert er aber die innere Sicherheit u. das Vertrauen an sich selbst. Johanna gerät in die Gefangenschaft, sammelt dort rasch ihre Kräfte u. ist fast überzeugt, dass sie nie wieder einen Augenblick der Schwäche empfinden wird. Sie erlangt innere Kraft wieder. Es gelingt ihr, sich zu befreien, in den Kampf zu ziehen u. weiter zu kämpfen. Es kommt zu heftigem Gefecht. Die Franzosen siegen aber Johanna wird tödlich verletzt, stirbt mit dem Schwert in der Hand u. sagt: "kurz ist der Schmerz und ewig ist die Freude".

  1. Sie hatte sterben müssen, das ist aber nicht das Entscheidende, das Wichtigste
  2. War eine große nationale Heldin, die um Befreiung ihres Landes kämpfte.

Durch den Tod auf dem Schachtfeld hat Schiller diese heldenhaften Taten deutlich gemacht. Starker Eindruck: 1801 - 19.Jh. aber noch Fortsetzung des 18. Jhs. Das gebildete Leserpublikum kannte Werke, die diese Heldin in ganz anderem Licht gezeigt hatten. Shakespeare nahm die Partei der Engländer; bei ihm war Johanna d'Arc eine negative Figur. Viel schlimmer ging aber ein Franzose mit ihr um - Voltaire -eine kämpferische Natur, predigte die rationalistische Philosophie, gegen Religion, ein Atheist. Für ihn war Johanna d'Arc keine nationale Heldin, sondern in einer Dichtung stellt er sie als eine fragwürdige Vagantin, keine wirklich positiver Gestalt. Und nun kommt Schiller mit seiner "Jungfrau von Orleans". Seit Schiller eine positive Gestallt. Nach Schiller wurde das Thema in Europa noch ein paar Mal aufgenommen, noch im 20. Jh. entstanden einige Werke.

Johanna d'Arc bemüht sich, den Feind hinauszuwerfen, der schon im Land ist - das passte zur damaligen Situation Deutschlands.

"WILHELM TELL" - das Drama von F. Schiller

Das letzte Drama Schillers, nicht zu Ende, denn im Mai 1805 ist Schiller gestorben. Aus demselben Grund wie die "Jungfrau von Orleans" wurde das Thema aufgenommen - den Feind hinauszuwerfen, der sich schon im Land befand.

1315 - die Schlacht bei Moorgarten, die Schweizer kämpften gegen die habsburgische Armee. Wilhelm Tell - eine historische Gestalt, eine geschichtliche Persönlichkeit, auch die Historiker dieser Zeit waren dieser Meinung. "Wilhelm Tell" ist ein sehr "schweizerisches" Werk geworden, hat alle anderen in Schatten gestellt. In Wirklichkeit gab es keinen solchen Helden - Wilhelm Tell. Im 19. Jh. wollten sich die Historiker auf sichere Dokumente berufen u. es stellte sich heraus, es gab keine Beweise dafür, dass Wilhelm Tell wirklich lebte. Aber die Macht des Mythos ist sehr groß - Wilhelm Tell ist ein großer nationaler Held, sein Denkmal steht vor dem Parlamentgebäude in Bern.

Ähnlich wie in der "Jungfrau von Orleans" betont Schiller den Umstand, dass der Sieg nur dank dessen möglich war, dass die Franzosen vereint waren. Dasselbe auch in "Wilhelm Tell". Das ist schon der reife Schiller. Er preist nicht mehr das große Individuum - erst die Gemeinschaft kann eine schwere politische Aufgabe bewältigen. Das Individuum kann eine wichtige Rolle abspielen, aber die Wirklichkeit verlangt, dass alle zusammen kämpfen. Noch stärker wird die Rolle der Gemeinschaft in "Wilhelm Tell" betont. "Wilhelm Tell" war eine Zeitlang auf der Bühne abwesend. Man kann kein individuelles Glück haben, wenn das ganze Land unglücklich ist. Ein langes Verzeichnis - Repräsentation der ganzen Schweiz, Vertreter aller Kantone, Berufe, Charaktere. Es gab damals diese reichen u. mächtigen Familien, die die Kaiserkrone erlangen wollten. Auch das Land war verteilt - der eine Teil gehörte dem Kaiser, der andere - diesen Familien. Für die Bevölkerung war das ein Unterschied, von wem sie regiert wurden - sie wollten eher dem Kaiser gehorchen müssen. Kaiser wollte ihr weismachen, dass sie Habsburgen gehorchen sollen. Ein Statthalter Gessler will mit Gewalt vorgehen.

Am Anfang - das schwere Leben unter dem Statthalter, die tragische Situation in der Schweiz. Der Statthalter fühlt sich von Wilhelm Tell beleidigt - Tell muss einen Apfel aus dem Kopf seines Sohnes wegschießen. Ziemlich spät schließt sich W. Tell der Bemühungen anderer Schweizer an, etwas gegen diesen verhassten Feind zu unternehmen.

Die Helden Schillers sind nicht mehr so spontan, hitzig, wie F. Moor oder Ferdinand. Don Karlos, Wilhelm Tell - schon andere Charaktere. Vertreter aller Kantone, Generationen kommen auf eine Wiese (Alm) - Rütli - sie überlegen, was sie machen sollen. Die Gegenwart u. Vergangenheit waren eine Begründung für ihre Handlung - das waren keine gewöhnlichen Rebellen. Sie wollen vereint gegen die Habsburgen vorgehen. Hollweg - keinen Ausweg. Er sagt: "Durch die hohle Gasse muss er kommen". Die Sache hat einen "Hacken". Der Tod Gesslers - kein offener Zweikampf. Gessler hat keine Chance mehr, er ist ein leichtes Ziel für Wilhelm Tell - keine Zweifel um seine Aufgabe vollzubringen. Euphorische Stimmung - der Statthalter ist weg, die Schweiz ist frei - Confederatio Helvetika, sie müssen dem Kaiser gehorchen aber sie sind doch freie Menschen.

Ist "Wilhelm Tell" eine Tragödie oder Komödie? Nicht alle kommen ums Leben, wie in einer Tragödie aber in diesem Drama gibt es nicht Lustiges (wie im "Nathan der Wiese")

Im letzten Akt - eine Szene vor dem Haus Wilhelm Tells. Er ist jetzt ein freier Mensch, lebt schon wieder in seinem Haus u. ist glücklich. Eines Tages besucht ihn eine geheimnisvolle Gestalt - sie braucht Zuflucht u. hofft es bei W. Tell zu finden. Es ist ein Hochadeliger, der so ungeduldig war, den die Macht so sehr lockte, dass er alle seinen Verwandten tötete, um nach Macht zu greifen. Er ist jetzt vogelfrei (das war eine harte Strafe, für vogelfrei erklärt zu werden, d. h. jeder konnte ihn töten u. dafür bezahlt werden). Dieser Mensch wagt zu sagen: "Du kannst mich verstehen, weil du auch einen Menagchen getötet hast". Es ist unvergleichbar - Wilhelm Tell hatte im Namen der Schweiz gekämpft.

Die Wirkung "Willhelm Tells" in Polen:

Es ist für Polen wichtig, weil es um Befreiung des Vaterlandes geht. Viele Dichtungen u. Autoren waren in Polen sehr lebhaft. Zu diesen Autoren gehört Schiller, er hatte viele begeisterte Leser. Immer wenn in Polen ein Aufstand vorbereitet wurde, wenn sich die politische Situation aufspitzte, wurde "Wilhelm Tell" gespielt. Das Krakauer Theater kam auf die Idee, "Wilhelm Tell" anlässlich des Jahrestages des Aufstandes (Januar 1863) aufzuführen. Eine Anspielung auf die aktuelle Lage Polens; das Theater hatte zu wenig Geld für gute Dekorationen, aber jeder verstand die Aussprache dieser Kostüme. 1915 - erschien in Polen ein dickes Buch von Marian Szyjkowski unter dem Titel "Schiller in Polen" (über 300 Seiten). Schiller gehörte (zusammen mit Thomas Mann) nach dem 2. Weltkrieg zu den Ehrenrettern der deutschen Kultur.